Pi-hole oder AdGuard Home für euer Heimnetzwerk? Detaillierter Vergleich von Setup, Features, Performance und Updates. Plus konkrete Empfehlungen für unterschiedliche Szenarien.
💡 Hinweis: Falls ihr direkt mit AdGuard Home starten wollt, gibt es auch unser ausführliches AdGuard Home + Unbound Tutorial auf Debian 13 für die komplette Installation.
Einleitung — Warum überhaupt ein DNS-Filter?
Jedes Gerät in eurem Netzwerk fragt ständig DNS-Server: „Wo ist google.com? Wo ist tracker.facebook.com? Wo ist ads.example.com?“. Standardmäßig laufen diese Anfragen ungefiltert durch — und ein nicht unwesentlicher Teil davon geht an Werbenetzwerke und Tracker.
Ein netzwerkweiter DNS-Filter löst das. Statt jedes Gerät einzeln mit einem Werbeblocker auszustatten (Smart-TV? Geht nicht. IoT-Geräte? Geht nicht. Console? Geht nicht), filtert ein zentraler Server alle DNS-Anfragen — geräteübergreifend.
Die zwei großen Player im Self-Hosting-Bereich heißen Pi-hole (der Klassiker, seit 2014) und AdGuard Home (der Herausforderer, seit 2019). Beide sind Open Source, kostenlos und exzellent. Aber sie haben unterschiedliche Stärken — und welcher zu euch passt, hängt von eurem Setup ab.
In diesem Vergleich gehen wir durch alle relevanten Aspekte und geben am Ende eine klare Empfehlung pro Szenario.
Architektur im Vergleich
Pi-hole
[Client] → [dnsmasq/Pi-hole] → [Filter] → [Upstream-DNS]
↓
[Web-UI: PHP/Apache/lighttpd]
↓
[SQLite-DB für Statistiken]Pi-hole basiert auf dnsmasq (DNS-Resolver) plus einer eigenen PHP-Web-UI. Die Komponenten sind getrennt — etwas mehr Setup, dafür sehr modular.
AdGuard Home
[Client] → [AdGuard Home (single binary)] → [Filter] → [Upstream-DNS]
↓
[Eingebaute Web-UI (Go)]
↓
[Eingebaute Datenbank]AdGuard Home ist ein einziges Go-Binary — DNS-Resolver, Web-UI, Filter-Engine, Datenbank, alles drin.
💡 Hinweis: Beide sind funktional gleichwertig — der Unterschied ist die Architektur-Philosophie. Pi-hole nutzt bewährte Unix-Tools (dnsmasq), AdGuard Home setzt auf eine moderne Single-Binary-App.
Setup-Komplexität
Pi-hole installieren (Debian 13)
curl -sSL https://install.pi-hole.net | bashDas offizielle Script richtet alles ein: dnsmasq, Apache/lighttpd, PHP, Web-UI, SSL (optional). Setup-Wizard auf der Konsole führt durch:
- Welches Netzwerk-Interface
- Welche Upstream-DNS-Server
- Welche initialen Blocklists
- Web-UI-Passwort
Nach 3-5 Minuten läuft alles.
AdGuard Home installieren (Debian 13)
curl -sSL https://github.com/AdguardTeam/AdGuardHome/releases/latest/download/AdGuardHome_linux_amd64.tar.gz \
-o /tmp/AdGuardHome.tar.gz
tar -xzf /tmp/AdGuardHome.tar.gz -C /tmp
sudo mv /tmp/AdGuardHome /opt/
sudo /opt/AdGuardHome/AdGuardHome -s installWeb-Wizard auf Port 3000 — Schritt für Schritt:
- Listen-Interface, Port (53 für DNS, optional 80 für Web)
- Admin-User + Passwort
- Fertig
💡 Tipp: Bei beiden ist eine Vorarbeit nötig —
systemd-resolvedmuss umkonfiguriert werden, damit Port 53 frei ist. Dieser Schritt ist identisch und ist im AdGuard-Tutorial ausführlich erklärt.
Setup-Vergleich
| Aspekt | Pi-hole | AdGuard Home |
|---|---|---|
| Installations-Aufwand | 3-5 Min | 2-3 Min |
| Komponenten | dnsmasq + Apache + PHP | Single Binary |
| Konfiguration | Web-UI + Config-Files | Web-UI komplett |
| Auto-Update | Manuell | Eingebaut |
| Container-Support | Docker offiziell | Docker offiziell |
Pi-hole hat den älteren, oft schon dokumentierten Setup-Pfad — vor allem auf einem Raspberry Pi. AdGuard Home ist minimal aufwändiger zu verstehen, dafür aber moderner aufgebaut.
Feature-Vergleich
Was beide können
- Netzwerkweites Werbe- und Tracker-Blocking
- Per-Client-Statistiken
- Custom Blocklists / Allowlists
- Web-UI mit Statistiken
- Custom DNS-Records (lokale Domains)
- Schedule (z.B. Filter nachts deaktivieren)
- DHCP-Server (optional)
Was nur Pi-hole hat
- Sehr aktive Community — 30k+ GitHub-Stars, riesige Reddit-Community
- Pi-hole als Educational Tool — Mehr Tutorials, mehr YouTube-Videos
- Group Management mit feingranularen Regeln pro Client-Gruppe
- Local DNS Records mit Wildcard-Support
- Pi-hole Solo-Modus vs. High-Availability mit Sync-Plugins (z.B. Gravity Sync)
Was nur AdGuard Home hat
- DNS-over-HTTPS / DoT / DoQ — eingebaut, kein zusätzliches Tool
- Verschlüsselte Upstream-DNS ohne Aufwand
- Parental Control mit eigenem SafeSearch-Filter
- Per-Client-Filter-Profile sehr granular
- Geschwindigkeits-Tests für Upstream-DNS-Server
- Eingebauter Update-Mechanismus
- AdGuard DNS als Cloud-Variante kompatibel
Direkter Feature-Vergleich
| Feature | Pi-hole | AdGuard Home |
|---|---|---|
| Web-Dashboard | ✅ | ✅ |
| Blocklists-Management | ✅ | ✅ |
| Per-Client-Regeln | ✅ (Group-basiert) | ✅ (eingebaut) |
| DNS-over-HTTPS (DoH) | ❌ (Cloudflared nötig) | ✅ |
| DNS-over-TLS (DoT) | ❌ (stubby nötig) | ✅ |
| DNS-over-QUIC (DoQ) | ❌ | ✅ |
| Parental Control / SafeSearch | ❌ (manuelle Config) | ✅ |
| DHCP-Server | ✅ | ✅ |
| Local DNS Records | ✅ | ✅ |
| Custom Filter-Regeln | ✅ | ✅ |
| HA / Failover | Plugins (Gravity Sync) | Plugins (Sync-Tools) |
| Auto-Update Web-UI | ❌ | ✅ |
| API | ✅ (REST + Auth) | ✅ (REST) |
| Mobile Apps | Drittanbieter | Offizielle App |
💡 Tipp: Wenn ihr verschlüsseltes DNS wollt (was 2026 Standard sein sollte), ist AdGuard Home aus Setup-Sicht klar im Vorteil. Bei Pi-hole müsst ihr
cloudflaredoderstubbydaneben einrichten.
Performance & Resourcen
Beide sind extrem leichtgewichtig. Konkrete Werte aus typischen Heimnetzen (5-15 Geräte, ~50.000 Anfragen/Tag):
| Metrik | Pi-hole | AdGuard Home |
|---|---|---|
| RAM-Verbrauch | 70-150 MB | 60-120 MB |
| CPU (Idle) | < 1% | < 1% |
| CPU (Lastspitze) | 5-10% | 5-10% |
| Disk Space | ~80 MB + DB | ~50 MB + DB |
| Latenz pro Anfrage | < 5 ms | < 5 ms |
Praxis: Kein nennenswerter Unterschied. Beide laufen problemlos auf einem Raspberry Pi Zero 2 oder einem 1-vCPU/512-MB-VPS.
Wartung & Updates
Pi-hole
pihole -upUpdates müssen aktiv getriggert werden. Blocklists aktualisieren:
pihole -gAdGuard Home
- Web-UI: Banner oben rechts, ein Klick auf „Update“
- CLI:
sudo /opt/AdGuardHome/AdGuardHome --update - Auto-Update: In den Einstellungen aktivierbar
💡 Empfehlung: AdGuard Home gewinnt hier deutlich. Pi-hole-Updates erfordern manuelles Eingreifen, AdGuard Home kann sich selbst aktualisieren. Bei Setups, die ihr nicht ständig wartet, ist das ein echter Vorteil.
Privatsphäre
Beide Tools sind Open Source und schicken keine eurer Daten an externe Server.
Aber: AdGuard Home ist von der AdGuard Software Limited (zypriotische Firma, ehemals russische Wurzeln) entwickelt. Pi-hole wird von einer US-basierten Foundation entwickelt. Wer Wert auf bestimmte Jurisdictions legt, sollte das wissen.
💡 Hinweis: Da beide Tools Open Source und auf eurem eigenen Server laufen, ist die Frage der Firma eher politisch als technisch relevant. Der Code ist auditierbar, Telemetrie kann abgeschaltet werden.
Migration zwischen den Tools
Wer von Pi-hole zu AdGuard Home (oder umgekehrt) wechseln will, kann seine Daten meist mitnehmen.
Pi-hole → AdGuard Home
- Custom Blocklists: Aus Pi-hole exportieren (
Settings → Adlists → Export), in AdGuard Home importieren - Local DNS Records: Manuell übertragen
- Statistiken: Gehen verloren (nicht migrierbar)
AdGuard Home → Pi-hole
- Custom Filtering Rules: Format-kompatibel, kann meist 1:1 importiert werden
- Local DNS Records: Manuell
- Statistiken: Verloren
Empfehlung — wann welches Tool?
Wählt Pi-hole, wenn …
- Ihr eine sehr große Community und viele Tutorials braucht
- Ihr klassische Unix-Tools bevorzugt
- Ihr Group Management intensiv nutzen wollt
- Ihr von einem etablierten Pi-hole-Setup bei Freunden/Familie kennt
- Ihr HA-Setups mit Gravity Sync plant
Wählt AdGuard Home, wenn …
- Ihr DNS-over-HTTPS / DoT / DoQ wollt
- Ihr Auto-Updates wünscht
- Ihr Single-Binary-Lösungen bevorzugt
- Ihr Parental Control / SafeSearch out-of-the-box braucht
- Ihr ein modernes UI mit weniger Komplexität wollt
- Ihr ein schnelleres Setup wollt
Persönliche Empfehlung
Für 2026 und neue Setups: AdGuard Home. Die fehlende DoH/DoT-Unterstützung in Pi-hole ist 2026 der größte Nachteil — verschlüsseltes DNS ist Standard, und es zwingend mit zusätzlichen Tools nachzurüsten ist mühsam.
Für bestehende Pi-hole-Setups, die laufen: nicht zwingend wechseln. Pi-hole ist ein exzellentes Tool und mit Cloudflared für DoH erweiterbar.
💡 Tipp: Der oft gehörte Mythos „Pi-hole ist ressourcensparender“ stimmt 2026 nicht mehr — beide sind praktisch gleich auf. Entscheidet nach Features, nicht nach Performance.
Sehr-Spezial-Setup: Beide parallel?
Theoretisch kann man beide auf demselben Server betreiben — Pi-hole auf Port 5353, AdGuard Home auf 53, und Pi-hole als Upstream eintragen. Sinnvoll? Eher nein. Doppelte Wartung, doppelte Filter-Listen, kein echter Mehrwert. Wenn euch ein Tool reicht, bleibt bei einem.
Zusammenfassung
| Wenn ihr … | Nehmt … |
|---|---|
| Eine moderne All-in-One-Lösung wollt | AdGuard Home |
| Verschlüsseltes DNS direkt braucht | AdGuard Home |
| Auto-Updates wollt | AdGuard Home |
| Bewährte Tools bevorzugt | Pi-hole |
| Riesige Community braucht | Pi-hole |
| Komplexes Group Management nutzt | Pi-hole |
| 2026 NEU einsteigt | AdGuard Home |
Nächste Schritte
- AdGuard Home + Unbound auf Debian 13 — Vollständiges Setup mit rekursivem DNS
- Pi-hole offizielle Doku — docs.pi-hole.net
- DNS-over-HTTPS für Mobilgeräte — Filterung auch unterwegs
- HA-Setup mit zwei DNS-Servern — Failover-Sicherheit
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